| Home > Publications database > Peter Schwingen (1813 – 1863) : ein Maler der Düsseldorfer Malerschule : zum 200. Geburtstag ; [Ausstellung des StadtMuseums Bonn und der Peter-Schwingen-Gesellschaft Bonn-Bad Godesberg e.V., Ernst-Moritz-Arndt-Haus, Bonn, 1. Mai – 14. Juli 2013] |
| Book | MZJ-2026-00425 |
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2013
Verlag Stadtmuseum Bonn/Druckerei bonndruck
Bonn
ISBN: 978-3-931878-39-9
Abstract: Peter Schwingen gehört zu einer Gruppe von Düsseldorfern Malern, deren Hauptinteresse dem Genre und dem Porträt galt. Das Genrebild als „freie Kunst", das Porträt als „Brotkunst". Zu dieser Gruppe der politisch interessierten rheinischen Genremaler sind vor allem der mit Schwingen befreundete Johann Peter Hasenclever, ferner Wilhelm Joseph Heine (1813-1839), Carl Wilhelm Hübner (1814-1879), Adolf Schroedter (1805-1875), Henry Ritter (1816-1853) und Ludwig Knaus (1829-1910) zu zählen. In Peter Schwingens Werk vereinen sich zwei große Themen: Zum einen sind es die Porträts von Zeitgenossen, vor allem Industrieller aus dem Wuppertal, zum anderen - und dies scheint das eigentlich Bedeutende zu sein - wandte sich Schwingen nicht dem oftmals falschen Pathos der akademischen Malerei seiner Zeit zu; sondern malte Szenen des einfachen bäuerlichen und kleinbürgerlichen Lebens, die so realistisch wirken, als ob sie aus seiner Erinnerung stammten. Mit diesen Genrebildern, die zum Überzeugendsten gehören, was die Düsseldorfer Maler der Zeit hervorgebracht haben, reflektiert er liebevoll, bisweilen auch ironisch, das dörfliche Leben mit seinen deftigen Bräuchen. Das „Schießen um ein fettes Schwein" oder „Der Gewinn des großen Loses" schildern gleichermaßen ein harmlos-dörfliches Vergnügen wie auch die sicher oftmals herbeigesehnte Möglichkeit, durch den Wink des Schicksals reich zu werden. Die kritische Darstellung einer „Pfändung" - sein Bild war das erste im Rheinland mit diesem Thema -, zeigt die Verelendung der kleinen Handwerker zu Beginn der Industrialisierung. Es belegt die These, dass die Düsseldorfer Maler sehr genau die Strömungen ihrer Zeit aufnahmen und in Bildern verarbeiteten. Die fortschreitende Politisierung des Lebens in der Zeit zwischen 1830 und 1848 lässt sich auch an den Bildzeugnissen ablesen. Zu Schwingens bescheidenem sozialen Aufstieg verhalfen ihm die Porträtaufträge, die ihn in das frühindustriell prosperierende Tal der Wupper führten. Die späten 1830er Jahre brachten ihm zahlreiche Aufträge. Schwingen blieb bei dem bisher so erfolgreich angewandten Bildaufbau, fügte einen kleinen Hund hinzu und charakterisierte die Familie durch drei Bilder an den Wänden des Zimmers als kunstsinnig. Die Familie scheint wie zur Kaffeestunde versammelt, doch nicht zufällig, sondern mit dem Bewusstsein, dem Künstler Modell für ein bedeutendes Familienbild zu sitzen. Schwingens Gemälde nahm schon einiges dessen voraus, was die frühe Porträtfotografie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts für uns heute so interessant macht. Maler und Fotografen standen sich kaum nach in der Intention, der Wahrheit möglichst nahe zu kommen und eine authentische Momentaufnahme zu schaffen. Es ist der analytische Blick, den die Maler des Biedermeiers die Fotografen lehrten. Es ist der Blick, der sich bemüht, hinter die Kulissen zu schauen, ohne dabei allerdings die gesellschaftlichen und persönlichen Tabus zu verletzen.
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